Woran erkennen Fachärzte einen erfahrenen Operateur?
Wer vor einer Operation steht, beschäftigt sich verständlicherweise zunächst mit der Frage, in welcher Klinik oder Praxis der Eingriff durchgeführt werden soll. Deutlich seltener wird jedoch hinterfragt, wer die Operation tatsächlich durchführen wird.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:
"Wo - in welcher Klinik oder Praxis - werde ich operiert?"
sondern:
"Wer wird mich tatsächlich operieren?"
Nicht das „Wo“ entscheidet über das Ergebnis – sondern vor allem das „Wer“.
Eine Empfehlung für eine Praxis oder Klinik gilt deshalb fast immer einem bestimmten Operateur – nicht automatisch allen Ärztinnen und Ärzten dieser Praxis oder Klinik.
Die Wahl des Operateurs gehört zu den wichtigsten Entscheidungen vor einer Operation. Dennoch gehen viele Patientinnen und Patienten davon aus, dass ein bestimmter Eingriff – unabhängig vom Operateur – im Wesentlichen immer gleich durchgeführt wird und deshalb auch zu vergleichbaren Ergebnissen führt.
Bei vielen standardisierten Produkten oder Dienstleistungen mag diese Annahme zutreffen. In der Chirurgie – und insbesondere in der ästhetischen und rekonstruktiven Gesichtschirurgie – ist die Situation jedoch grundlegend anders. Bereits die Auswertung des Befundes, die Wahl der Operationstechnik und ihre technische Umsetzung können sich von Operateur zu Operateur erheblich unterscheiden.
Deutsche Spitzensportler fliegen für bestimmte Eingriffe um die halbe Welt, um von Spezialisten in den USA operiert zu werden, obwohl die gleichen Operationen in Deutschland in fast jedem Krankenhaus angeboten werden. Entscheidend ist also nicht das Krankenhaus oder die Praxis, sondern die besondere Erfahrung und Spezialisierung des Operateurs für genau diesen Eingriff.
Viele Patientinnen und Patienten wählen eine Praxis oder Klinik aufgrund einer persönlichen Empfehlung. Freunde oder Bekannte berichten von einem guten Ergebnis – und daraus entsteht verständlicherweise Vertrauen.
Dabei wird jedoch häufig übersehen, dass sich eine Empfehlung auch in diesem Fall meist auf einen bestimmten Operateur bezieht und nicht automatisch auf alle Ärztinnen und Ärzte einer Praxis oder Klinik.
Auch innerhalb derselben Einrichtung können sich Ausbildung, Spezialisierung, Erfahrung und Operationshäufigkeit erheblich unterscheiden.
In vielen Praxen und Kliniken haben einzelne Operateurinnen und Operateure unterschiedliche Tätigkeitsschwerpunkte entwickelt – das ist grundsätzlich sinnvoll, denn Spezialisierung ermöglicht häufig eine höhere Qualität auf dem jeweiligen Fachgebiet.
Für Patientinnen und Patienten bedeutet dies jedoch:
Es ist keineswegs selbstverständlich, dass automatisch der Operateur mit der größten Erfahrung für den geplanten Eingriff bei Ihnen vorgesehen ist. Organisatorische Abläufe, Urlaub und Terminverfügbarkeit können dazu führen, dass der Eingriff von einem anderen Arzt durchgeführt wird. Es kann sogar sein, dass der Arzt, der mit seiner Operation den Grund für die Empfehlung gegeben hat, mittlerweile gar nicht mehr an der Klinik ist.
Deshalb mein erster Rat:
Informieren Sie sich nicht nur über die Klinik oder Praxis, sondern vor allem darüber, wer Sie persönlich operieren wird – und welche Erfahrung genau dieser Operateur mit Ihrem Eingriff hat.
Die folgenden Kriterien sollen Ihnen dabei helfen.
Denn letztlich lautet die entscheidende Frage:
Woran erkenne ich einen wirklich erfahrenen Operateur?
Oder anders formuliert:
Nach welchen Kriterien würde ein Facharzt selbst einen Kollegen auswählen, wenn er sich oder einen nahen Angehörigen operieren lassen müsste?
Die untenstehenden Fragen können Ihnen helfen, unterschiedliche Operateure objektiver miteinander zu vergleichen und eine fundierte Entscheidung zu treffen.
Wenn Sie erwartet haben, dass auch Fachärzte für Chirurgie ihren eigenen Chirurgen nach den gleichen Maßstäben auswählen wie Patienten ohne einen medizinischen Hintergrund, muss ich Sie enttäuschen.
Während Patienten sich häufig an den Bewertungen im Internet, der Plazierung auf einer immer größer werdenden Zahl von Zeitschriftenlisten, der Lage und der Attraktivität der Praxis oder den Titeln eines Chirurgen orientieren, beobachte ich immer wieder, dass Kollegen ihren Chirurgen nach ganz anderen Kriterien auswählen.
→ welche Einschränkungen die am häufigsten von Patienten genutzten Kriterien für die Arztauswahl haben, können Sie demnächst hier lesen
1. Spezialisierung
Ein Operateur, der sich über viele Jahre auf ein bestimmtes Operationsgebiet konzentriert, führt diese Eingriffe in der Regel deutlich häufiger durch als ein Chirurg mit einem sehr breiten Behandlungsspektrum. Routine, Erfahrung und die kontinuierliche Weiterentwicklung von Operationstechniken entstehen vor allem durch die regelmäßige Beschäftigung mit denselben Fragestellungen.
An folgenden Punkten lässt sich eine Spezialisierung häufig erkennen:
● Welche Eingriffe bietet der Arzt insgesamt an?
● Liegt der Schwerpunkt auf einem klar definierten Operationsgebiet, oder werden sehr unterschiedliche Eingriffe an vielen verschiedenen Körperregionen angeboten?
●Welche Leistungen stehen auf der Website im Vordergrund bzw. ganz oben auf der Liste der angebotenen Eingriffe?
● Wie weit reicht die fachliche Anerkennung des Arztes – regional, deutschlandweit, im deutschsprachigen Raum oder international bis hin zu führenden medizinischen Zentren weltweit?
2. Das Auge endet nicht am Lid – Erfahrung mit den angrenzenden Regionen
Altersveränderungen der Augenregion entstehen nur selten allein am Ober- oder Unterlid. Häufig sind gleichzeitig die Augenbrauen, die Schläfenregion und das Mittelgesicht beteiligt. Auch der Verlust von stützendem Fettgewebe und damit von Volumen spielt eine wichtige Rolle.
Wie groß der Anteil der einzelnen Veränderungen ist, kann von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sein. Bei manchen Menschen trägt eine abgesunkene Augenbraue nur wenig zum vermeintlichen Hautüberschuss des Oberlides bei, bei anderen ist sie eine der wesentlichen Ursachen.
Deshalb ist es von Vorteil, wenn ein Operateur nicht nur große Erfahrung mit Lidoperationen besitzt, sondern auch die Behandlung der angrenzenden Regionen beherrscht – insbesondere:
● Augenbrauenlifting
● Schläfenlifting
● Volumenaufbau mit Eigenfett
● Aufbau und Repositionierung des Mittelgesichts
Das ist nicht nur deshalb wichtig, weil diese Verfahren miteinander kombiniert werden können. Es beeinflusst bereits die Beurteilung des Ausgangsbefundes und die Wahl der richtigen Operation.
Wird beispielsweise ein Absinken der Augenbraue nicht ausreichend berücksichtigt, kann der dadurch entstandene vermeintliche Hautüberschuss ausschließlich am Oberlid entfernt werden. Damit wird jedoch nicht die eigentliche Ursache behandelt. Eine zu ausgedehnte Hautentfernung am Oberlid kann die Augenbrauenposition zusätzlich ungünstig beeinflussen und eine spätere Augenbrauenanhebung erschweren.
Ähnliches gilt für das Unterlid. Altersbedingte Veränderungen entstehen hier häufig nicht allein durch Veränderungen am Lid selbst, sondern auch durch einen Volumenverlust und ein Absinken des Mittelgesichts. Wird ausschließlich Gewebe am Unterlid entfernt, ohne diese Veränderungen zu berücksichtigen, kann das Ergebnis im ungünstigen Fall hohler oder eingefallener wirken, obwohl die Tränensäcke reduziert wurden.
Ein Operateur, der auch Augenbrauen-, Schläfen- und Mittelgesichtskorrekturen sowie Eigenfetttransplantationen regelmäßig durchführt, kann deshalb die verschiedenen Ursachen eines gealterten Erscheinungsbildes differenzierter beurteilen und Ihnen erklären, welcher Anteil tatsächlich vom Lid und welcher von den angrenzenden Regionen ausgeht.
Das bedeutet keineswegs, dass bei jeder Lidoperation zusätzliche Eingriffe notwendig sind. Im Gegenteil: Entscheidend ist, dass der Operateur alle Möglichkeiten kennt und beherrscht, aber nur diejenigen empfiehlt, die für den individuellen Befund sinnvoll sind.
Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass notwendige Korrekturen verschiedener Regionen aufeinander abgestimmt und – wenn sinnvoll – in einem gemeinsamen Behandlungskonzept geplant werden können. Dadurch lässt sich vermeiden, dass zunächst ausschließlich die Lider operiert werden und später ein anderer Operateur in einem weiteren Eingriff die Augenbrauenposition oder den Volumenverlust des Mittelgesichts korrigieren muss.
Eine gute Lidchirurgie beginnt deshalb nicht mit der Frage, wie viel Haut oder Fett entfernt werden soll, sondern mit der Frage, welche anatomischen Veränderungen das Erscheinungsbild des Auges tatsächlich verursacht haben.
3. Häufigkeit der Eingriffe
Neben der Spezialisierung spielt die tatsächliche Erfahrung mit einem Eingriff eine entscheidende Rolle.
Hilfreiche Fragen können sein:
● Ist dieser Eingriff einer der häufigsten im beruflichen Alltag des Operateurs?
● Wie viele vergleichbare Eingriffe wurden in den vergangenen Jahren durchgeführt?
● Welche Operationen bilden heute den Schwerpunkt seiner oder ihrer Tätigkeit?
● Werden die meisten vergleichbaren Eingriffe in dem Krankenhaus bzw. der Praxis von ihm durchgeführt.
Je häufiger ein Operateur einen bestimmten Eingriff durchführt, desto größer ist in der Regel seine Routine – sowohl bei unkomplizierten als auch bei anspruchsvolleren Befunden.
4. Nachweisbare Ergebnisse
Ein erfahrener Operateur dokumentiert seine Ergebnisse sorgfältig – zur eigenen Qualitätskontrolle und zur Weiterentwicklung seiner Techniken.
Achten Sie im Beratungsgespräch auf folgende Punkte:
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Kann Ihnen der Arzt im Beratungsgespräch mehrere Fotodokumentationen vergleichbarer Ausgangsbefunde wie bei Ihnen selbst erläutern?
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Werden Verläufe über einen längeren Zeitraum verfolgt?
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Werden auch unterschiedliche und schwierige Ausgangsbefunde dokumentiert?
Eine konsequente Dokumentation zeigt, wie intensiv sich ein Operateur mit einem bestimmten Eingriff beschäftigt.
5. Beherrschung komplexerer Eingriffe
Ein weiterer Hinweis auf besondere Erfahrung ist die Beherrschung schwieriger Eingriffe innerhalb desselben Operationsgebietes.
Dazu gehören beispielsweise:
● Korrekturoperationen nach Voroperationen anderswo operierter Patienten
● funktionelle Eingriffe neben ästhetischen Operationen
● Rekonstruktionen nach Verletzungen oder Tumoroperationen
● komplexe anatomische Ausgangsbefunde
Wer auch anspruchsvolle Situationen regelmäßig behandelt, verfügt häufig über ein besonders tiefes Verständnis der Anatomie und kann unerwartete Befunde während einer Operation souverän meistern.
6. Erfahrung, Wissen und individuelle Beratung
Erfahrung umfasst weit mehr als die Anzahl der Berufsjahre.
Entscheidend ist, wie intensiv sich ein Operateur mit einem Eingriff beschäftigt und wie differenziert er den individuellen Befund beurteilt.
Im Beratungsgespräch sollte deshalb nicht nur erklärt werden, wie operiert wird, sondern vor allem warum ein bestimmtes Vorgehen empfohlen wird.
Gerade bei Lidoperationen können beispielsweise sehr unterschiedliche anatomische Ursachen zu einem ähnlichen äußeren Erscheinungsbild führen:
● Volumenverlust (A-Frame-Deformität)
● Hängelid (Ptosis)
● abgesunkene Augenbrauen (Brauenptosis)
● Veränderungen der Schläfenregion
● Veränderungen des Mittelgesichts
● Hautüberschuss
Ein ausführliches Beratungsgespräch berücksichtigt diese Unterschiede und erläutert gegebenenfalls auch alternative Behandlungsmöglichkeiten wie Augenbrauen- und Schläfenlift und Eigenfetttransplantationen.
Je individueller die Analyse, desto besser lässt sich häufig auch das Behandlungskonzept an den jeweiligen Patienten anpassen.
7. Anerkennung durch Kolleginnen und Kollegen
Ein besonders aussagekräftiger Hinweis auf eine hohe Spezialisierung ist die Anerkennung durch andere Fachärzte.
Fragen, die dabei hilfreich sein können:
● Hospitieren Kolleginnen und Kollegen regelmäßig in der Klinik oder Praxis?
● Wird der Operateur zu nationalen oder internationalen Fachkongressen eingeladen?
● Wenden sich Kolleginnen und Kollegen bei schwierigen Fällen an ihn?
● Hält er wissenschaftliche Vorträge über seine Operationsmethoden?
● Führt er Live-Operationen oder Operationskurse für andere Chirurgen durch?
Dabei lohnt es sich, den Charakter solcher Einladungen genauer zu betrachten.
Nicht jede wissenschaftliche Veranstaltung hat die gleiche Bedeutung oder Reichweite. Einladungen durch renommierte Universitätskliniken oder international anerkannte Zentren sprechen häufig für eine besondere fachliche Anerkennung, da Referentinnen und Referenten dort in der Regel aufgrund ihrer wissenschaftlichen oder klinischen Expertise ausgewählt werden.
Auch die Zielgruppe einer Veranstaltung kann Rückschlüsse auf ihren fachlichen Anspruch zulassen. Während sich einige Kurse in erster Linie an Ärztinnen und Ärzte in der Ausbildung oder beim Erlernen eines neuen Operationsverfahrens richten, dienen andere dem wissenschaftlichen Austausch zwischen bereits erfahrenen Spezialistinnen und Spezialisten.
Wird ein Operateur eingeladen, seine Erfahrungen vor einem Fachpublikum mit ausgewiesener Expertise zu präsentieren oder dort Live-Operationen durchzuführen, spricht dies häufig für eine besondere Anerkennung innerhalb dieses Spezialgebietes.
Wenn erfahrene Kolleginnen und Kollegen Zeit investieren, um bei einem bestimmten Operateur zu hospitieren oder von ihm zu lernen, spricht dies häufig ebenfalls für eine besondere Expertise.
Gleiches gilt für Einladungen zu anerkannten nationalen oder internationalen Fachkongressen und Operationskursen.
Sollten Sie mehrere Ärzte finden, die die oben genannten Kriterien für Sie erfüllen, gehen Sie zu dem Arzt, der Ihrem Wohnort am nächsten ist.
Ihnen gibt es Sicherheit nach der Op jederzeit unkompliziert und schnell bei ihm vorbeifahren zu können und der Arzt wird sich freuen, Sie in größer werdenden Abständen wiederzusehen, damit er den Heilungsverlauf seiner Arbeit beurteilen kann.
Ich freue mich auf jeden Fall immer, wenn Patienten auch viele Monate oder Jahre nach einer OP bei mir noch einmal vorbeischauen.
Ein Operateur, der Ihnen wirklich weiterhelfen möchte, wird Ihre Fragen offen und ausführlich beantworten.