Meine Lidchirurgie:
die Rekonstruktion des individuellen Oberlides
Ein „Schlupflid“ kann bei zwei Menschen ähnlich aussehen und trotzdem ganz unterschiedliche Ursachen haben. Deshalb beginne ich eine Oberlidkorrektur nicht mit der Frage, wie viel Haut entfernt werden kann, sondern mit der Frage:
Welche anatomischen Veränderungen haben dazu geführt, dass Ihr Auge heute anders aussieht als früher?
Die sichtbare Hautfalte ist zunächst ein Befund, noch keine vollständige Diagnose. Dahinter kann eine abgesunkene Augenbraue stehen, eine zu tief liegende Lidfurche, ein Verlust von Fettgewebe, eine beginnende Ptosis oder eine veränderte Lidachse. Oft wirken mehrere dieser Faktoren zusammen.
Grundsätze
Meine Planung folgt zwei Grundsätzen:
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Umverteilung und Rekonstruktion von vorhandenem Gewebe vor Entfernung von Gewebe.
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Körpereigenes Gewebe vor Fremdmaterial, wann immer dies sinnvoll möglich ist.
Das heißt nicht, dass nie Gewebe entfernt wird. Entscheidend ist, nur das zu entfernen, was tatsächlich stört, und die Strukturen zu erhalten oder wiederherzustellen, die für Form und Funktion des Oberlides wichtig sind.
Was ich bei der Analyse berücksichtige
Altersveränderungen im Überblick
Mit der Zeit geht Fettgewebe verloren, die Lidhaut verliert ihre Füllung und legt sich in Falten, und die Augenbrauen sinken durch den Verlust ihrer Abstützung ab. Die Lidfurche kann sich nach unten verlagern, sodass die Lidhaut eher faltig als glatt wirkt. Diese einzelnen Faktoren sind bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt.
Die Lidfurche und ihr Zusammenhang mit der Lidfalte
Die Lidfurche ist die Stelle, an deren Oberkante sich die Lidfalte bildet. Ihre Lage bestimmt deshalb maßgeblich, wo die Falte verläuft und wie sie aussieht. Mit dem Alter verlieren die Fasern, die die Furche in jungen Jahren formen, an Spannkraft. Tiefer gelegene Fasern bilden dann eine neue Furche, die ihrerseits erschlafft, sodass sich die Furche Stück für Stück nach unten verlagert. Die Lidhaut wirkt dann eher wie eine geraffte Gardine als wie eine glatte, straffe Fläche, und die Furche ist oft kaum noch zu erkennen.
Eine zu tief liegende Furche ist deshalb neben einem Hautüberschuss eine eigene Ursache dafür, dass sich faltige Lidhaut bis in den Wimpernbereich ausdehnt. Wird nur die Haut entfernt, bleibt diese Ursache bestehen.
Liegt die Furche an der richtigen Position, ist die Lidfalte nicht zu groß und wird das Gewebe darüber mit Fett unterfüttert, entsteht eine gleichmäßig gewölbte Region. Unterhalb der Lidfalte bleibt dann bis zur Lidkante ein freier Streifen, der bei Menschen europäischer Abstammung nach meiner Erfahrung meist etwa 7–8 mm breit ist. Dieser Bereich sorgt dafür, dass sich das Lid nicht schwer anfühlt, sich leicht öffnen lässt und die Wimpern nicht nach unten gedrückt werden. Das Gesichtsfeld bleibt frei, und das Lid bleibt für Lidschatten und andere Kosmetik nutzbar.
Ich kann Position, Form, Höhe und Stabilität der Lidfurche gezielt beeinflussen und rekonstruieren. Dafür nutze ich Techniken, die ich während meiner fast dreijährigen Weiterbildung in Taiwan erlernt habe. Sie wurden ursprünglich entwickelt, um bei Asiaten eine Lidfurche zu schaffen, und eignen sich auch für europäische Augen, deren Lidfurche schwächer geworden ist oder zu weit nach unten gerutscht ist. Ich rekonstruiere die Lidfurche am liebsten dynamisch, also als Furche, die sich beim Öffnen des Auges ausbildet. Sie kann aber auch statisch angelegt werden, also als Furche, die auch bei entspanntem Lid dezent sichtbar ist.
Die Neuformung der Lidfurche ermöglicht es, die Narbe gezielt in die Furche zu legen, wo sie kaum auffällt. Bei Verfahren, bei denen allein Haut oder Haut und Muskulatur entfernt wird, kann das nur zufällig gelingen. Ohne gezielte Furchenrekonstruktion liegt die Narbe meist oberhalb der Lidfurche. Bei sorgfältiger Nahttechnik und unkompliziertem Heilungsverlauf sind aber auch Narben oberhalb der Lidfurche oft nur schwer zu erkennen.
Verfahren, bei denen in erster Linie Haut oder Haut und Muskulatur entfernt wird, ermöglichen keine gezielte Rekonstruktion einer abgesunkenen Lidfurche.
Die Ptosis
Nicht jedes schwere Oberlid entsteht durch überschüssige Haut. Die Lidkante selbst kann absinken, manchmal nur geringfügig, manchmal asymmetrisch. Deshalb gehört die Beurteilung von Lidkante und Lidhebermuskulatur immer zur Planung. Eine relevante Ptosis kann im Rahmen der Operation mitbehandelt werden, auch unabhängig von der Lidkorrektur. Würde man bei diesen Patienten allein Haut oder Haut und Muskulatur entfernen, würde das die Funktionsstörung nicht beseitigen. Der hohle Eindruck des Oberlides würde dadurch noch verstärkt.
Volumen
Ein junges Oberlid ist weich und gewölbt. Verliert es Fettgewebe, können Vertiefungen entstehen, die im Englischen als „A-Frame-Deformity“ bezeichnet werden. In diesem Fall entferne ich nicht routinemäßig überschüssiges Fettgewebe an anderer Stelle des Oberlids, etwa im inneren Lidwinkel. Stattdessen verlagere ich es, wenn möglich, mikrochirurgisch unter Erhalt der Blutversorgung in den Defektbereich. Reicht das nicht aus, kann Eigenfett aus Unterbauch, Flanke oder Oberschenkel übertragen werden. Wiederhergestelltes Volumen behandelt die Ursache der überschüssig wirkenden Haut und nicht nur ihr Symptom, sodass oft weniger Haut entfernt werden muss.
Die Augenbraue
Vor jeder Oberlidkorrektur beurteile ich Position, Form und Symmetrie der Augenbrauen. Die Augenbraue kann insgesamt oder nur im äußeren Bereich abgesunken sein. Sinkt die gesamte Augenbraue ab, kann das zu voluminös wirkenden Oberlidern führen, weil sich die dickere, schwerere Augenbrauenhaut in den Lidbereich ausdehnt. Sinkt der äußere Anteil ab, kann er einen lateralen Hautüberschuss am Oberlid vortäuschen. Eine reine Hautentfernung würde dann nur einen Teil der Falte beseitigen. Nicht jede abgesunkene Augenbraue muss operiert werden. Ihre Position sollte aber bekannt sein, bevor über das Oberlid entschieden wird.
Die Lidachse
Die Form des Auges hängt auch von der Lage des äußeren Lidwinkels im Verhältnis zum inneren ab. Schon kleine Veränderungen wirken sich auf den Gesamteindruck aus. Fällt die Lidachse im Laufe der Zeit zur Seite ab, kann es sinnvoll sein, die Strukturen des lateralen Halteapparates in die Planung einzubeziehen. Ziel ist dabei nicht, jedem Auge eine bestimmte Form zu geben, sondern seine individuelle Anatomie und seinen ursprünglichen Charakter zu respektieren.
Ein Baukastensystem statt einer Standardoperation
Meine Oberlidkorrektur setzt sich aus Bausteinen zusammen. Die Grundlage bildet eine möglichst gewebeschonende Operation, zu der je nach Befund weitere Schritte hinzukommen. Manchmal genügt eine reine Hautentfernung. Manchmal steht die Rekonstruktion der Lidfurche im Vordergrund. Bei anderen Patienten kommen Ptosiskorrektur, Augenbrauenkorrektur, Volumenaufbau oder die Berücksichtigung der Lidachse hinzu. Nicht jeder benötigt alle diese Schritte.
Die Operation bestimmt also nicht, was am Auge verändert wird. Die vorhandenen anatomischen Veränderungen bestimmen, welche Operation sinnvoll ist.
Das Ziel
Ein gelungenes Oberlid sollte nicht daran zu erkennen sein, dass es besonders glatt, offen oder straff wirkt. Das Auge soll erholter und frischer aussehen und dabei seinen individuellen Ausdruck behalten. Manchmal genügt dafür eine kleine Hautentfernung, manchmal braucht es Volumen, eine rekonstruierte Lidfurche oder eine korrigierte Ptosis. Die Kunst besteht darin, genau das zu verändern, was für dieses eine Auge notwendig ist, und möglichst viel von dem zu bewahren, was es ausmacht.
Individuelle Beratung ist entscheidend
Welche Technik für Ihr Oberlid geeignet ist, hängt von Ihrer Anatomie, davon, welche Veränderungen Sie selbst wahrnehmen, wie wichtig Ihnen diese sind, sowie von Ihren Erwartungen ab. Auch Alter und mögliche Begleiterkrankungen spielen eine Rolle. Eine ausführliche Beratung ist der beste Weg, das passende Vorgehen für Ihr Ergebnis zu bestimmen.